Was Ihre Mitarbeitenden über KI denken, und warum das über den Nutzen entscheidet
- 6. Oktober 2026
- Veröffentlicht durch: Frank Stadler
- Kategorien: Fachbeiträge, Veröffentlichungen Frank
In den Gesprächen über KI, die ich mit Geschäftsführungen führe, geht es um Werkzeuge, Budgets, Anwendungsfälle und in letzter Zeit um Regulierung. Was dabei fast nie vorkommt, ist die Frage, was die Menschen im Haus eigentlich davon halten.
Das ist erstaunlich, weil sich der wirtschaftliche Effekt genau dort entscheidet. Eine Lizenz erzeugt noch keine Produktivität, das tut erst ein Mensch, der ein Werkzeug in seinen Arbeitsablauf einbaut.
Welche Gruppen entstehen
Ich habe noch kein Unternehmen erlebt, in dem die Belegschaft einheitlich reagiert. Meist bilden sich drei Gruppen, und sie brauchen jeweils etwas anderes.
### Die Vorgeprellten
Sie arbeiten seit zwei Jahren mit KI, meist mit privat beschafften Zugängen, und sind nach meinem Eindruck produktiver als der Rest. Ihr Problem ist nicht fehlende Kompetenz, sondern dass sie ihre Arbeitsweise nicht offen zeigen können, solange unklar ist, ob sie erlaubt ist. Ich halte diese Gruppe für den wertvollsten Bestand im Haus, und pauschale Verbote vertreiben sie am schnellsten.
### Die Abwartenden
Sie haben nichts gegen KI, aber niemand hat gesagt, dass sie darf, was sie darf. Sie fragen auch nicht nach, weil die Frage nach Unsicherheit klingt. In den Häusern, die ich begleitet habe, war sie meist die größte, und sie bewegt sich, sobald es eine klare Ansage gibt. Sie ist der eigentliche Hebel.
### Die Beunruhigten
Sie befürchten, dass ihre Arbeit entwertet oder überflüssig wird. Diese Sorge ist selten unbegründet, und Beschwichtigung verstärkt sie. Wer sie ignoriert, bekommt keine Ablehnung, sondern gründliche Passivität: Aufgaben werden weiterhin so erledigt wie bisher, mit dem Hinweis, das Werkzeug habe nicht funktioniert.
Warum daraus Schatten-Nutzung wird
Der Zusammenhang ist direkter, als er zunächst wirkt. Solange keine Regel existiert, entscheidet jede dieser Gruppen für sich. Die erste nutzt weiter, was sie kennt, an der IT vorbei. Die zweite nutzt gar nichts. Die dritte nutzt nichts und begründet es.
Was in dieser Lage entsteht, ist beides zugleich: eine unkontrollierte Nutzung, die niemand überblickt, und eine ungenutzte Möglichkeit, die niemand hebt. Beide Kosten fallen an, und beide erscheinen in keiner Rechnung.
Die Lösung ist unspektakulär und liegt in der Kommunikation, nicht in der Technik.
Was Führung tatsächlich sagen muss
Was Führung sagen muss, ist nach meiner Erfahrung in vielen Häusern nie ausgesprochen worden.
### Was erlaubt ist
Konkret, mit Namen der Werkzeuge, nicht als Prinzip. Nach meiner Erfahrung beantwortet eine Positivliste mehr Fragen als eine Richtlinie, die nur Verbote aufzählt.
### Was nicht hineindarf
Ebenso konkret, an Beispielen aus dem eigenen Haus. Ein abstrakter Hinweis auf Datenschutz erzeugt Unsicherheit, ein Beispiel erzeugt Verständnis.
### Was erwartet wird
Dieser Punkt fehlt am häufigsten. Wenn niemand sagt, dass die Nutzung erwünscht ist, bleibt sie eine private Entscheidung mit privatem Risiko. Wer will, dass eine Belegschaft ein Werkzeug einsetzt, muss es verlangen, nicht erlauben.
### Was mit der gewonnenen Zeit passiert
Diese Frage stellt nach meiner Erfahrung kaum jemand, obwohl sie viele beschäftigt. Wer sie unbeantwortet lässt, bekommt Zeitgewinne, die niemand meldet. Eine ehrliche Antwort ist besser als eine beruhigende, auch wenn sie unbequem ausfällt.
Der Fehler, der Vertrauen kostet
Am schnellsten verspielt wird die Sache durch einen Widerspruch, den eine Belegschaft schnell bemerkt: KI wird als Chance kommuniziert und gleichzeitig eingesetzt, um Personalbedarf zu prüfen.
Beides kann legitim sein. Was nicht funktioniert, ist beides gleichzeitig zu tun und nur das erste zu sagen. In Häusern, in denen ich das erlebt habe, hat es lange gedauert, bis wieder jemand freiwillig erzählt hat, wo er Zeit spart.
Was das mit dem Geschäftsergebnis zu tun hat
Sehr viel, und der Weg dorthin ist kurz. Produktivität durch KI entsteht, wenn sich Arbeitsabläufe ändern, und das geschieht, wenn Menschen sie ändern. Das tun sie eher, wenn sie wissen, dass es erlaubt, erwünscht und gefahrlos ist, und wenn sie gelernt haben, wie es geht.
Jede Stufe davon ist eine Führungsleistung, keine technische. Deshalb ist der billigste Produktivitätshebel, den ich in vielen Häusern sehe, nicht das nächste Werkzeug, sondern eine klare Ansage auf der Betriebs- oder Personalversammlung.
Wie sich das in eine Regel fassen lässt, die im Alltag trägt, steht im Beitrag zur KI-Richtlinie. Was aus einer Schulung tatsächlich hängenbleibt, behandelt ein eigener Beitrag. Für den strukturierten Aufbau gibt es die Schulungen.
Und eine Frage, deren Antwort in jedem Haus verfügbar ist und selten erhoben wird: Wenn Sie drei Mitarbeitende fragen würden, ob KI-Nutzung bei Ihnen erwünscht ist, wie viele würden mit Ja antworten?
Hinweis: Dieser Beitrag enthält eine fachliche Einordnung regulatorischer und rechtlicher Themen, stellt jedoch keine Rechtsberatung oder rechtliche Einzelfallprüfung dar. Ausführlicher Hinweis